Systemfreien Kaffee produzieren und Konsumieren

Wer als Konsument mangelnde Vorsicht walten läßt findet sich rasch in einem Konsumsystem wieder. Das Konzept ähnelt der iOS Plattform von Apple mit dem Unterschied, daß der Einstieg in ein solches System wesentlich günstiger ist als bei Apple.  Vor langer Zeit ist mir das mit Kaffee passiert: Ich bekam eine Nespresso Maschine geschenkt, die man mit Kapseln aus Aluminium füttern muß. Die Gegenleistung dabei ist eine kleine Tasse Kaffee und Müll in Form einer Metallkapsel. Subjektiv schmeckt der Kaffee wesentlich besser als klassischer Filterkaffee, dafür bezahlt man wirklich unverschämte Preise pro Tasse. Nestle, der Hersteller der Kapseln scheint sehr gut damit zu verdienen. Neben einem äußerst bizarren Ladengeschäft am Odeonsplatz in München reicht das Geld auch noch für eine Werbekampagne mit prominentem Schauspieler die aus so etwas trivialem wie Kaffeetrinken einen Lifestyle-Tätigkeit macht. Die Nespressomaschinen verarbeiten nur Kapseln, kein Pulver. Man kann diese auch von anderen Herstellern, erwerben aber der Kaffee ist immer von viel Plastik oder Metall umhüllt und extrem teuer.

Das ständige Einkaufen und Entsorgen von Kapseln hat mich nach 6 Monaten derart angekotzt, daß ich mich auf die Suche nach einer Alternative gemacht habe. Vollautomaten kommen für mich nicht in Frage, da sich mein Kaffeekonsum mit solchen Maschinen der Unendlichkeit nähert – bei guter Laune und interessanter Aufgabe hab ich schon locker 15 Tassen auf der Arbeit mit solchen Geräten geschafft – tut zwar der Umwelt gut, aber meinem Körper eher weniger. Filterkaffee schmeckt mir einfach nicht und eine ordentliche Espressomaschine ist mir (momentan?) zu Aufwändig im Betrieb.

Im Pflichtenheft steht also eine Gerätschaft die eine kleine Portion Kaffee (meist für 1- 2 Personen) schnell und einfach zubereitet und so wenig Müll wie möglich bei überschaubaren Kosten produziert. 

Die Lösung meines Problems fand ich im Urlaub in Italien. Jeder Haushalt in diesem Land scheint mit einer Espressokanne von Bialetti für den Herd ausgestattet zu sein. Mir wurde das Model „Moka Express“ der Marke Bialetti empfohlen. Erworben habe ich es inklusive allerhand Ersatzteile für 25€ in einem Eisenwarengeschäft in Norditalien.

Die Bedienung des Geräts ist simpel jedoch aufwändiger als bei der Kapselmaschine:

    1. Kessel und Kanne durch Drehung demontieren
    2. Sieb entfernen
    3. Kessel mit Wasser befüllen
    4. Sieb einsetzen
    5. Das Sieb bis zur Oberkante mit Kaffee füllen und leicht andrücken.
    6. Kanne auf den Kessel schrauben
    7. Maschine auf der Herdplatte erhitzen

Klingt aufwändig, geht aber wirklich schnell von der Hand und schmeckt ganz gut. Außerdem hat man bei jedem Schluck Kaffee das gute Gefühl, daß man einem ekelhaften Großkonzern  kein Geld in den Rachen geworfen hat.

Anfangs habe ich die Maschine mit gemahlenem Kaffee aus dem Supermarkt betrieben. Meine Freundin schlug dann irgendwann vor Bohnen zu erwerben und diese selbst zu mahlen. Aus einer Laune heraus habe ich mich dazu entschlossen die oben beschriebene Prozedur noch komplexer zu machen und eine Mühle ohne elektrischen Antrieb zu erwerben. Um eine Wochenration Kaffeepulver zu produzieren muß man ca. 15 Minuten aufwenden. Dafür wird man mit interessanten olfaktorischen Erlebnissen während der Produktion belohnt (riecht wirklich fein) und kann Erfahrungen bezüglich des Mahlgrads sammeln, der eine wichtige Rolle bei der Produktion spielt. Ich mahle momentan Arabica Bohnen mit einer japanischen Mühle für ca. 35€ und bevorzuge etwas groberes Pulver. Das Endprodukt schmeckt mir mit einem Schuss Milch besser als alles was aus Kapselmaschinen oder Vollautomaten kommt. Sicherlich ist der Arbeitsaufwand höher als bei Kapselmaschinen, dafür sind die laufenden Kosten deutlich geringer  – 1kg Kaffeebohnen von der Kooperative Espanica kosten ca. 9€ und nach 2 Wochen Konsum ist der erste Beutel noch zu 70% gefüllt. Weiterhin habe ich in der jetzigen Situation den Vorteil, daß nur wenige mechanische und elektrische Komponenten kaputt gehen können.

Mit diesem Artikel möchte ich niemanden belehren, ihm den Geschmack der Kaffeekapseln madig machen oder auf Lebensmittelkonzernen rumbashen. Ich will eher einen kleinen Denkanstoß geben um über Konsumsysteme im eigenen Haushalt nachzudenken. Hier noch ein paar Bilder:

Bialetti Maschine, Pulver und Kopf der Mühle
Maschine, Pulver und Kopf der Mühle
Pulver und gefüllte Espressokanne
Pulver sowie gefülltes Unterteil (Kessel + Sieb)
Fertiger Kaffee
Fertiger Kaffee

 

13 thoughts on “Systemfreien Kaffee produzieren und Konsumieren

  1. Also, zu dieser Wahl kann ich dir nur gratulieren. Ich meine Die Moka-Maschine. Die Handmühle ist eine interessante Idee. Ich habe bisher immer Lavazza Kaffeepulver verwendet. Aber ich habe auch gemerkt, dass da der Kaffee aus der frisch geöffneten Packung viel besser schmeckt, als aus einer, die schon 2 Monate offen ist. Und das war bei mir der Fall, obwohl es nur 1/4 kg Päckchen sind.
    Noch ein Tipp: Die Hitze darf nicht zu groß sein. Der Kaffee soll langsam hochkommen, nicht heraussprühen.

  2. Wer in München den Nespresso laden links liegen läst und ein bisschen weiterwandert, wird auch einige kleiner Röstereien finden die wesentlich günstigeren Kaffee anbieten und in Deutschland Steuern bezahlen 😉

  3. Zum Thema Vollautomat und zu viel Kaffee kann ich nur sagen, dass sich für mich eine persönlich gezogene Grenze bewährt hat: Zwei Tassen vor- und zwei Tassen nachmittags, mehr gibt es nicht und mehr brauch ich auch nicht.

  4. Ich habe vor ca. 1,5 Jahren angefangen Kaffee selbst zu mahlen und von Hand mit einem Hario Filter aus Porzellan zu brühen. Ich möchte es nicht mehr missen. Alleine der Unterschied zwischen fertig und frisch gemahlenen Bohnen ist irre – aber auch keine Wunder, wenn man bedenkt dass Kaffee innerhalb der ersten 4 Stunden nach dem Mahlen nahezu 70% des Aromas verliert. Das Ganze ist simpel, das Zubehör günstig, robust und nachhaltig (ja, so eine abgebrochene Ecke des Filters hält wunderbar mit Sekundenkleber). Und der entstehende „Müll“ ist komplett kompostierbar.

    Ich kaufe gerne Kaffee bei https://sonntagmorgen.com (Sorte „YirgaCheffe“) oder https://www.green-cup-coffee.de (Crake Valley), beide dann im Verhältnis 6g/100ml mit ca. 85-90°C heißem Wasser aufbrühen.

    Achja, zum Thema „Systemfreiheit“: die ist bei so einem Setup natürlich gegeben. 🙂

  5. Großartig der Artikel und einiges gelernt.
    Ich setze seit Jahren auf die Krups T8. War ein Geschenk und schwöre darauf, da hier wohl die Kombination aus der „Moka Express“ und etwas Bequemlichkeit geschaffen wurde. Das System von Krups gibt es schon sehr lange und meine Maschine sieht vom Design nicht so aus, wie sie heute zu kaufen gibt. Aber der Kaffee schmeckt. Vom Prinzip der Espressokanne her, wird im unteren Kessel das Wasser erhitzt und im geschlossenem Kreis oben durch das Sieb mit Kaffee gedrückt.

  6. Ich will nicht sagen, dass das alu-kapsel Geschäft schlecht läuft, aber dass eine Firma große mengen Geld auf bekannte Schauspieler wirft, um das eigene Produkt zu bewerben, muss nicht heissen, dass das Produkt gut läuft. Da kann auch genau das Gegenteil der Fall sein.
    Mimimi 😉

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