Wenn Herr Wulff gewußt hätte daß…

… er mal hier wohnt hätte er den Bau und die Finanzierung seines bescheidenen Heims wohl nochmal überdacht.

Spaß beiseite. Auch wenn Christian Wulff nicht mein liebster Bundespräsident ist habe ich Verständniss dafür, dass er sich auf den günstigen Kredit für den Bau sein erschreckend bürgerlich wirkenden Hauses eingelassen hat. Wenn ich die Möglichkeit hätte mir eine solche Summe günstig zu leihen würde ich es selbstverständlich machen. Sicherlich hätte er den Kredit angeben müssen, aber das Alibi mit Frau Geerkens klang damals bestimmt sehr plausibel und wasserdicht.

Sicherlich mag das verwerflich klingen, doch wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein – in der Opposition scheint es nicht viele Menschen mit biblischem „Wurfgut“ zu geben – vielleicht fürchtet man die Verwicklung in einen ähnlichen Skandal oder die Politiker in SPD, Grünen und Linke sehen es ähnlich wie ich.

Ärgerlich an der Sache und auch des Pudels Kern ist wohl die Verbändelung zwischen Bundespräsident und der Springer Presse. Doch was ist da geschehen?

Bis zu der Geschichte wurde über Christian Wulff nur sehr positiv in der Springer Presse berichtet. Scheidungen wurden da schon ganz anders abgearbeitet. Die Zeitung steht auch gerne mal für einen Liebling ein wie der Kadavergehorsam bei zu  Guttenberg eindrucksvoll bewies.

Nun wird der Mann häppchenweise dem Volk zum Fraß vorgeworfen. Die Anrufe, über die der Mann jetzt wahrscheinlich stürzen wird fanden jedoch schon einen Tag vor Bekanntwerden der Kreditaffäre statt.

Ist dies erst jetzt bekannt geworden, weil es langsam durch die Springer Redaktion „durchgesickert“ ist oder war es der letzte Schlück Öl im Kännchen das Kai Diekmann nun wohldosiert ins Feuer geschüttet hat? Sozusagen ein letzter Trumpf im Ärmel falls der Bundespräsident nicht über den Kredit stürzt?

Natürlich ist es sehr naiv und auch nicht schicklich einen Mitarbeiter der Bildzeitung zu bedrohen und wirklich dämlich dies auch noch in Form einer AB Nachricht zu tun. Jeder Mensch sollte eigentlich wissen, daß für solche Menschen private Unterhaltungen nur solange privat sind bis sie sich medial oder in diesem Fall politisch verwerten lassen. Interessanter ist wohl die Frage, was Wulff zu diesem Himmelfahrtskommando bewegt hat. Es muß schon weit kommen bis ein rational handelnder und denkender Mensch seinen politischen Suizid einem Anrufbeantworter diktiert. Eine Abschrift ist leider nicht vorhanden.

Woher kam dieser Wandel in der Berichterstattung in den Springermedien? Die Berichterstattung über sein Leben und Wirken haben Christian Wulff als Politiker bestimmt ein wenig bei seinem Aufstieg geholfen. Warum wurde von Beginn an über den Kredit so negativ berichtet? Warum stellte sich die Bild nicht vor ihren ehemaligen „Schützling“ wie im Falle Guttenberg? War sie seiner Person müßig? Wie kann man einen Menschen so unter Druck setzen, daß er solche Unsinnigen Telefonate führt?

Ich gebe mal den gewagten Tipp ab, daß spätestens im Februar ein neuer Bundespräsident her muß – am Besten jemand, der finanziell gut da steht, beim Volk beliebt ist und an dem Skandale abprallen wie Tauben von Atombunkern.

Warum nicht mal wieder ein Kaiser?

Der Mann im Bild wäre im richtigen Alter, war national wie international äußerst erfolgreich und wohlbekannt. Geld muß er sich von niemandem leihen – kleine Schwächen und Fehltritte verzeiht man ihm gerne. Im Gegensatz zu aktuellen Politikern ist er immer nett und freundlich und würde Deutschland mehr als nur würdig präsentieren.

Wer auch immer in 2 Monaten Bundespräsident ist sollte sich die Worte des Sprachvirtousen Max Goldt über die BILD zu Herzen nehmen:

Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.

Bilder im Artikel via Wikimedia Commons

One thought on “Wenn Herr Wulff gewußt hätte daß…

  1. Irgendwie ist es schon erstaunlich, dass im Zusammenhang mit der schützenswerten Pressefreiheit nun gerade die BILD-Zeitung als „Opfer“ dastehen soll.
    So gesehen ist es natürlich auch ein riesiger PR-Stunt, frei nach dem Motto: „Leute, seht mal her, da bemühen wir uns seit Jahren um eine unabhängige Berichterstattung. Und jetzt plötzlich ist unser moralisch ach so hochstehender Dienst an der Gesellschaft in Gefahr. „. Bild als Vorreiter der Pressefreiheit. Genialer PR-Stunt, der so als Nebenbei-Effekt zur vordergründigen Wulff-Demontage sich subtil miteinschleicht in die Hirne.

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